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Warum dein Blog kein User-Tracking/Analytics braucht

Wenn wir einmal ganz ehrlich zu uns selbst sind, dann müssen wir zugeben, dass wir Statistiken lieben. Wir freuen uns, wenn wir mehr Follower auf Instagram oder Twitter bekommen und wir ärgern uns, wenn welche davon verschwinden. Und ganz besonders neue, frische Blogs brauchen direkt 1-5 Tracking Tools, um Besucherstatistiken zu generieren. Durchaus nachvollziehbar, man will ja sehen, ob die Seite, an der man so lange geplant und gearbeitet hat, auch ankommt, ob Besucher auf ihr landen und wenn ja, wie viele von ihnen bleiben. Und ich bekenne mich da selbst schuldig. Manchmal hatte ich neben dem WordPress-eigenen Tool noch ein Drittanbieter-Plugin und Google Analytics drin. Da die alle unterschiedliche Zahlen liefern, kann man sich das beste herauspicken. Doch wozu das alles?

Google Analytics Dashboard
Google Analytics Dashboard

Analytics-Tools können auf kommerziellen Seiten sehr sinnvoll sein. Wo kommen meine Kunden her, welche Artikel klicken sie gerne an und bei welchen Unterseiten verlassen sie fluchtartig meine Seite? Oder packen sie gar Artikel in den Warenkorb, brechen dann aber den Kaufprozess während der Registrierung ab, weil er zu kompliziert ist? Wenn man diese Daten hat, kann man seine Seite für seine Kunden/Nutzer optimieren und alle freuen sich, vor allem man selbst, da man mehr Umsatz generiert. Doch auf Blogs, insbesondere auf privaten? Sind die Blogs über Werbeeinblendungen finanziert (was sowieso ein überholtes Modell ist und abgeschafft werden sollte), sind die Besucherzahlen wichtig. Mehr Besucher heißt unter Umständen mehr Geld pro Banner, falls nicht pro Klick bezahlt wird. Die Gefahr ist hier, dass der Seitenbetreiber mithilfe der Analytics, diversen SEO- und A/B-Testing-Tools seine Seite soweit optimiert, dass zwar die Besucherzahlen steigen, der Anteil der echten Leser, der Stammleser, aber geringer wird. Viele Seiten verlieren in dem Prozess rapide an Qualität, man sieht ihnen an, dass sie nur noch für Suchmaschinen optimiert werden, nicht für „echte“ Leser. Clickbait-Überschriften, reißerische Artikel ohne Mehrwert für den Leser, viel Content mit vielen gut platzierten Keywords… oft wird auf berechtigte Kritik von treuen Leser nicht eingegangen, denn: die Zahlen steigen ja, es funktioniert also, oder? Falsch.

Klar, wenn man das Ziel hat, seinen Blog finanziell zu optimieren, mag diese Taktik legitim sein. Als privater Blogger sollten einem echte Leser wichtiger sein, als durch manipulativ formulierte Überschriften angelockte Suchmaschinenbesucher, die nach 2 Sekunden wieder weg sind. Schmeißt euer Analytics-Tool doch einfach mal raus! Ihr werdet entspannter sein, weil ihr nicht täglich (oder häufiger) eure Besucherzahlen überprüft und wenn ihr gute Artikel schreibt, werdet ihr am Feedback sehen, ob sie ankommen, wie gut sie ankommen und ob ihr eure Reichweite steigert.

Leser statt Besucher

Kostenloses Newsletter-Widget von WordPress
Kostenloses Newsletter-Widget von WordPress

Ein Besucher findet eure Seite bei Google oder klickt auf einen Link, den er irgendwo findet. Vielleicht guckt er (oder sie) den verlinkten Artikel auch mal kurz an, verschwindet dann aber wieder. Für die Statistik sind solche Besucher toll, ansonsten bringen sie aber nicht viel. Stattdessen sollte man mit guten Artikeln dafür sorgen, dass die Besucher wiederkehrende Leser werden und den Blog abonnieren oder ihm folgen. WordPress bietet neben einem RSS-Feed auch ein Mailing-Widget, über das Leser per E-Mail über neue Artikel benachrichtigt werden können. Ein Social-Media-Kanal zum Blog ist mittlerweile auch nicht mehr wegzudenken. Hier ist es aber wichtig, nicht nur automatisch generierte Links zum Blog zu posten, sondern darüber hinaus auch weiteren Mehrwert zu bieten, sonst werden viele Follower schnell das Interesse verlieren.

Gogatsu.de in Ghostery: kein Tracking-Tool
Gogatsu.de in Ghostery: kein Tracking-Tool, außer dem WordPress eigenen Gravatar für Userbilder

Ein weiterer Vorteil, wenn man keine Analytics-Tools installiert hat: mehr Datenschutz. Die meisten Tracking-Tools sammeln Daten der Besucher und schicken sie irgendwo hin, meist in die USA. Sowas ist aus Datenschutzgründen bedenklich und muss in Deutschland für den Seitenbesucher kenntlich gemacht werden. Bedenklich ist das vor allem, weil Betreiber wie Google einzelne Personen über mehrere Seiten hinweg beobachten und so das Surf- und Nutzerverhalten beobachten können. Die sind natürlich nicht an einzelnen Personen interessiert, das muss aber trotzdem nicht sein.
Noch ein Pluspunkt: Analytics-Tools werden meistens über externe Scripts eingebunden, was die Seite unnötig verlangsamen kann. Auch unter dem Aspekt sollte man alles überflüssige weglassen.

Google PageSpeed Tools
Gute Ergebnisse in den Google PageSpeed Tools

tl;dr

Für die meisten Blogs haben Analytics-Tools keinen großen Nutzen. Optimiert eure Seite für Leser statt für Suchmaschinen. Wandelt Besucher durch gute Inhalte und mithilfe von RSS, Social Media oder E-Mail-Abos in treue Leser, die eure Seite gerne aufrufen. Schützt die Privatsphäre eurer Leser und beschleunigt eure Seite, indem ihr externe Tracking-Tools verbannt.

Tipp: Jetpack von WordPress hat das Feature zum Deaktivieren einzelner Module mittlerweile etwas versteckt. WordPress Stats lassen sich hier deaktivieren:

/wp-admin/admin.php?page=jetpack_modules

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